LaborBefund #12 - Literatur aus der Wirklichkeit

LaborBefund # 12

"LaborBefund #12" ist am 21. Februar 2014 erschienen, Bestellungen bitte über das Kontaktformular oder direkt per Email.

 

LaborBefund #12 - Autorenheft "Marcus Mohr : Sisyphosarbeit"

 

"Verstecken spielen das Leben suchen lassen"
Sisyphosarbeit - Über die Poesie Marcus Mohrs

"Die Menschheit", schrieb einst Oscar Wilde, "nimmt sich selbst viel zu ernst. Hätten die Steinzeitmenschen das Lachen erfunden, wäre die Geschichte anders verlaufen."
Gut, daß es da noch Schriftsteller gibt wie Marcus Mohr, die uns daran erinnern, daß nicht alles so verbittert gegessen werden muss, wie es gekocht wurde. Sprich: ein wenig Humor in Verbindung mit Esprit können nicht schaden. Gerade in Deutschland, wo man für jedes Lachen samt zugehörigem Denkvorgang eine Genehmigung vom Amt zu benötigen scheint.

Der Kölner Marcus Mohr, Jahrgang 1981, zählt unangefochten zur Spitzenklasse der deutschen Gegenwartslyrik. In einer unnachahmlich originären Sprache erschafft er Poesie, die sich jeglicher Kategorisierung entzieht und daher im Wortsinn unfassbar ist. Mit einer lyrischen Raffinesse, die ihresgleichen sucht, konstituiert er in seinen Texten eine sprachlich autarke Welt, die ironisch und spielerisch zwanglos Autopoiesis mit Poiesis verbindet, wodurch jedes einzelne Gedicht zu einem in sich geschlossenen Panoptikon des prallen Lebens gerät.

Die Bandbreite der Mohrschen Protagonisten ist dabei unerschöpflich. Vom traurigen Clown (Blick in die Tiefe aus Sicht eines Bullauges; NeoBlues Vol. 1) über den weisen Narren (Mit Bleifuß aufm Bodenblech; Gesucht & Gefunden) und den wortgewaltigen Aufschneider (Autobiographische Fiktion) bis hin zum spitzbübischen Schelm (Kölscher Pakt; Kreidezeit) und dem trunkenen Tunichtgut (Blaupause) findet man ein wahres Kaleidoskop lyrischer Ichs vor, die aber alle eines gemeinsam haben: sie stehen mit beiden Beinen fest in der Wirklichkeit. "Wenn ich sage, dass, sollte / ich heute abdanken, / mehr gelebt hab / als die fünfundsechzig Jahre alte / Matrone, die neben / dir in der Bahn / sitzt", dann ist das "die volle Wahrheit".
Im Titelgedicht Sisyphosarbeit wird besonders deutlich, wie Mohr seine Protagonisten manchmal als moderne Til  Ulenspegel gestaltet, die die Plattitüden und Ideologien eines karriere- und leistungsgeilen Bürgertums dechiffrieren, indem sie sie ironisch-deskriptiv bloßstellen: "Ich bin die stellvertretende Schande / einer verlorenen Generation, / die jeden bekackten Morgen / mit dem falschen Bein aufsteht, / um mit dem richtigen / ordentlich in die Scheiße zu treten".

Mohrs Texte sind ein Füllhorn von wit und witness, von "Charme, Licht und Grütze" (Richard Huelsenbeck). Als humoristischen Ästheten, der meisterhaft mit Sprache, Worthülsen und Klischees spielt, dabei oft auch Elemente von Dialekten und Jargon verwendet, kann man Marcus Mohr durchaus in eine Reihe stellen mit Kurt Tucholsky, Joachim Ringelnatz, Karl Valentin oder Peter Rühmkorf; doch auch in Relation zu ihnen ist er in seiner grandiosen Originalität nicht vergleichbar. "Verstecken spielen das Leben suchen lassen", das ist ein häufiges Motto von Mohrs Protagonisten, und hier wird vor allem eins deutlich: nicht das Leben ist es, das sich vor uns versteckt, sondern wir verstecken uns - vor dem Leben selbst.

Wir wünschen Marcus Mohr, dass er, wie er mit augenzwinkerndem Selbstbewusstsein schreibt, mit seinen poetischen Werken tatsächlich bald von Random House verlegt wird. Dann kann und wird die (zumindest deutsche Literatur-)Geschichte vielleicht doch noch einen anderen Verlauf nehmen. Nicht nur Oscar Wilde wäre darüber sicherlich sehr erfreut.

 

Ní Gudíx - Februar 2014

 

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LaborBefund - Literatur aus der Wirklichkeit. (Jg. 2, Heft 12. - 40 S., ISSN 2196-3355)

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Herausgegeben in Berlin und gelesen in Hamburg, Köln, Essen, Dortmund, Kleinkleckersdorf...

 

Aufl.: 100 Stk.

 

Andreas Balck (Hrsg.)      

 

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