LaborBefund #14 - Literatur aus der Wirklichkeit

LaborBefund #14

"LaborBefund #14" ist am 30. April 2014 erschienen, Bestellungen bitte über das Kontaktformular oder direkt per Email.

 

LaborBefund #14 - Autorenheft "Michael Köhn : Ernstfall gewordene Absurdität"

 

Der Mensch, das "gar nichts an evolution"

Die Ernstfall gewordene Absurdität des Michael Köhn

 

Dass die Welt eine gigantische Klapse ist, wusste schon Shakespeare. "When we are born we cry that we are come / to this great stage of fools", heißt es in King Lear, und es ist symptomatisch, dass dies ausgerechnet der "irre" König selbst sagt, als er, aller Machtinsignien entblättert, die Einsicht der Ausgestoßenen erlangt. Dass die Säuglinge bei der Geburt brüllen, weil sie erkennen, in welches Irrenhaus sie hier gekommen sind, daran hat sich auch 400 Jahre nach King Lear noch nichts geändert. Und einer der Autoren, die dies heute vielschichtig & treffend auf den Punkt bringen, ist Michael Köhn.

 

Köhn, geboren 1942 in Berlin und heute in Hitzacker a. d. Elbe lebend, schreibt Romane, Gedichte, Kurzgeschichten, Satiren, Aphorismen und Prosetten. Er ist nicht nur Dichter, Schriftsteller und Literat, sondern in all dem auch Zeitzeuge "mit überquellender Festplatte". Er selbst weiter über sich: "Ich schreibe Prosa und Lyrik, lote in meinen Arbeiten die Tiefgründe im Menschen aus - ob Abgründe oder Höhenflüge. Meistens beides."

 

Die Gagazone, die der Homo Sapiens geschaffen hat und in der er nicht klarkommt, "diese[s] ewige Schuldsein in der Luft / um ihn herum", ist Köhns Thema in allen Facetten. Der Mensch, "die / kreatur von gott geschaffen", ist "ein gar nichts an evolution", ist "all der Rest", der "in einer Ecke Zeit [liegt] / betrunken / hoffnungslos". Wenn man das verstanden hat, ist man fast froh über den "Rest von Pillen, die mir zur ewigen Dunkelheit nicht gereichten, lediglich zu fahler Dämmerung für Stunden".

 

In Köhns literarischen Höllenfresken findet man alles: Säufer, Mörder, Auftragskiller, Machos, Schwanzwedler, alte Nazis, junge Idioten und auch “Maria Magdalena / Stripperin Hure Junkie“, denen allen "die Krankheit Dasein tickt / um den Tod auszuleben / 24 Stunden jeden Tag".

"Am realen sein starb ich also mit sechs / [...] nach und nach", schreibt Köhn. Die "great stage of fools", in die er durch Geburt geworfen wurde, war eine der übelsten Kulissen der Weltgeschichte: Hitler-Berlin im Bombenkrieg: "Zwei Tage drei Nächte. Verschüttet. Während das Haus darüber brennt. [...] Ich bekomme vom Entlausungspulver Husten. Mutter entschuldigt sich bei mir." Danach "GPU-Keller" und anschließend geteilter deutscher Stacheldraht. Es folgen diverse Fluchtpunkte als Sackgassen, z. B. die Fremdenlegion "nach einem familiären Vorfall" oder als Ehrenmann unter Ganoven. Auch das ist "Ernstfall gewordene Absurdität", über die man am besten mit dem Galgenhumor derer grinst, die sich von Frau Werlte nicht schrecken lassen, und den Köhn seinen Protagonisten als homerisches Gelächter im Unerbittlichkeitsblick mitgibt.

 

Schreiben als Notwehr, "um die Spuren der Bisse von unseren Seelen fern zu halten", denn "betrachtet / man alles gute dieser welt / bleibt weniger übrig / wie milch am boden des eimers". Nicht "als" sondern "wie" bleibt am Ende wohl nur der mediokre Positivismus, mit dem sich alles - doppeldeutig - "zum Glück" uminterpretieren lässt, wie auch Köhn in sex und erfolg mit spottendem Sarkasmus erkennt.

 

Beim Sichten der Texte für die vorliegenden Ausgabe fand sich in Köhns Büchern ein Lesezeichen mit folgenden Worten: "Der Mensch soll nicht sorgen, dass er in den Himmel komme, sondern, dass der Himmel in ihn komme.“ Michael Köhn hat diesen Himmel als Universum im Kopf eines homme de lettres - "und wer will kann mich".

 

Zum Beispiel lesen.

 

 

Ní Gudix / Andreas Balck, April 2014

 

 

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LaborBefund - Literatur aus der Wirklichkeit. (Jg. 2, Heft 14. - 40 S., ISSN 2196-3355)

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Andreas Balck (Hrsg.)      

 

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