LaborBefund #8 - Literatur aus der Wirklichkeit

LaborBefund #8

LaborBefund #8 - "Lukas Grundmann : Ein lyrisches Debut"

 

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"DIESER PERVERSE PFAD ZWISCHEN LANGEWEILE UND SCHMERZ" – Über die Lyrik Lukas Grundmanns

Es gibt zwei Hauptprobleme in der Gegenwartsliteratur. Das erste ist, daß sie oft nicht gegenwärtig ist. Das zweite, daß sie oft keine Literatur ist.
Entweder sind die jungen Dichter so eifrig bestrebt, ihren Vorbildern von anno dunnemals nahezukommen, daß sie gar nicht merken, wie ihre Texte am Ende selbst nach anno dunnemals klingen und damit die aktuelle Wirklichkeit ignorieren. Oder aber die Texte sind sprachlicher Sondermüll, bestehend aus abgedroschenen Phrasen und Stereotypen, garniert mit Redundanzen, Stilblüten und Grammatikfehlern. Beides ist gleichermaßen langweilig wie traurig.

Daß es auch anders geht, also die Gegenwartsliteratur weder als Lookalike-Contest noch als Waldorf-Kindergarten herhalten muß, zeigen die Texte von Lukas Grundmann. Grundmann, geboren 1986, gehört keiner literarischen "Szene" an und will auf keiner Welle mitsurfen. Aber er hat  einen Blick für die Wirklichkeit, die ihn umgibt, und er vermag es auch, sie sprachlich prägnant und treffend festzuhalten. Der LaborBefund "entdeckte" Grundmann im März 2013 und widmet ihm nun ein Autorenheft. Denn Lukas Grundmann kann nicht nur schreiben, er hat auch etwas zu sagen – und dies in ungewohnten Tönen.

Die Welt seiner Gedichte ist eine Welt zwischen Taubenscheiße, Studium, Arbeitsamt, One-Night-Stands und den Fragwürdigkeiten hinter der Oberfläche von Religion und Gesellschaft. "Geistliche die kleine Jungs ficken / wegen dem Zölibat / Anwälte die kleine Mädchen ficken / wegen der Frau zuhause / mit ihren Wechseljahren". Die Wirklichkeit ist umstellt von Illusionen, die Realität wird zum abziehbaren Film, und "das eigene Leben / ist irgendwo da draußen / verlorengegangen", zwischen all den Verheißungen, Versprechungen, Enttäuschungen und zum Himmel stinkenden Gepflogenheiten. Wer bei all den hohlen Phrasen von Kirche und Staat nicht durchdrehen will, braucht Drogen; Depression und Suizid liegen da nicht fern, sondern sind logische Konsequenzen: "und du linderst den Schmerz / mit farbenfrohen Pillen ( …) / aber eigentlich hoffst du / dass sie dir den Hahn / bald zudrehen."
"Immer wieder ist es / dieser perverse Pfad / zwischen Langeweile / und Schmerz, / der die Menschen dazu antreibt, / immer weiterzumachen", den Grundmann schreibend beschreitet. Und wer nun sich selbst oder die Texte bestürzt fragt, ob denn die Menschheit überhaupt noch eine Chance habe, bekommt zur Antwort: "Es gibt keine Chancen im Leben, / entweder du tust Dinge, / oder du tust sie nicht."

Grundmann tut sie. Und zwar großartig.

 

Ní Gudix, Oktober 2013

 

 

LaborBefund - Literatur aus der Wirklichkeit. (Jg. 1, Heft 8. - 40 S., ISSN 2196-3355)

Kartonierter Umschlag, 40 S. erstklassige Literatur zum unschlagbaren Preis von 3,50 € (zzgl. 1,- € Porto innerhalb Deutschlands = 4,50 € alles inklusive. Portokosten Ausland: 3,45 € pro Sendung bis 500g).

Herausgegeben in Berlin und gelesen in Hamburg, Köln, Essen, Dortmund, Kleinkleckersdorf...

 

Andreas Balck (Hrsg.)