LaborBlog - Neues vom Säzzer und dem Eulchen

Der Säzzer

07.07.2013 | Der Säzzer : Irisches Tagebuch

 

Liebet Tajebuch –

 

oda soll ick dir Blokk nennen oda wie oda wat … Ick hab det nich so midde Innernätt, da kenn ick mir nich aus.

Bin juut in Irrland jelandet; ers det Sabbertickel unnu noch ne Dienstreise - so schmeckt det Leben, dit lob ick mir. Die Redacktzion hat woll doch noch jeschnallt, wat se an olle Säzzer hat, hä hä.  Ooch der mickrichste Bonsai-Verlag kommt ebn nich ohne Profis aus, also ohne mir, mit Ahnung vons Jeschäfte, wa.

Bleib mich ab midde Lidderaduhr-Heinis, die imma denken, se ham die Kultur mit Löffeln schon während de Kindheit inne Arschfalte jestopft jekricht… Säzzer? Korrecktorat? Lecktorat? Grafficker? Von wejen! Denn hocken se da vor ihre Commpjutärs un raus kommt nur schönjeistjer Schrott. Un denn wundern se sich, det ihn keener ihren Schmuh abkooft. Aba mich wundert jar nüscht mehr… Jedichte inner Rübe, aber null Ahnung von richtijer Maloche.

 

Da broocht's ebn sonne Profis wie mir. Jelernt is jelernt, he he.

 

Approppoh: wie wärs denn ma mit ne Jehalserhöhung? Wenn ick vonner Dienstreise wieder zurück bin, denn poch ick da aber wehement druff! Ick bin schon wieda janz ausjedörrt!

 

Also bis denne, liebet Tajebuch -

 

der Säzzer

 

Das LaborEulchen

16.06.2013 | Ist das Kunst oder kann das weg?

Nach oben dringt der Rauch von den Flüppchen und Qualm aus den Retorten. Gutes Zeichen, der LaborBefund # 5 ist in Arbeit.

Ich sitz jetzt wieder auf dem Schrank, denn der Säzzer ist aus seinem Sabbatical zurück. Der kann einem sensiblen Eulchen wie mir schon mal die Ruhe verderben. Das Sabbatical war für den wohl nur ein Sabbertickel, oder in seinen Worten: "MEHR BIER!!"

Jetzt wird er wieder rationiert, und das stinkt ihm gewaltig, wie man merkt. Er hat schon damit gedroht, dass er rausgeht, auf die Straße, denn da tobt ja im Moment ein Kunstfestival – "48 Stunden Neukölln" heißt das, und da, sagte der Säzzer gestern, stellt er sich jetzt einfach nackt auf die Rathaustreppe, Bierpulle inner Hand, Fluppe im Hals, und erklärt sich selbst zur Installation. Und ich soll dabei auf seiner Schulter hocken. Stinkreich, sagte der Säzzer, werden wir sein, „ne halbe Stunde da blöde inner Jejend rumstehen un den Kunstmaxe spielen, un peng! die Kohle wird nur so uff uns runterrieseln, det wirste schon sehn! Un denn hau ick aba ab hier un lass euch dit piefige Lüdderadur-Jedöns alleene säzzen, hä hä. Da wirste ma sehen, wat ihr an mir habt!“

Also hat sich der Säzzer die Plünnen abgestreift und ist raus. Ich wollte aber nicht mit, mir war das zu doof. Wir haben ihm vom Balkon aus nachgeguckt. In der Hand ne Dose Bier, an den Füßen seine ollen Schlappen, so isser in Richtung Rathaus gelatscht. Und jedem, der ihn angegafft hat, hat er zugerufen: "Wat glotzte denn so? Ick bin Kunst! Paar Mille wert, vastehste?! Moderne Kunst, lebende Indallation oda wat! Zu bekieken nur jejen Barjeld!"

Nach ner Viertelstunde hat's geklingelt, und vor der Tür stand der Säzzer, in einem übergestreiften blauen Müllsack, und neben ihm eine Polizistin. "Für das Kunstfestival muss man sich anmelden", sagte sie kühl, "diese Installation aber war nicht angemeldet, also darf sie auch nicht ausgestellt werden. Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder Kunst macht!"

 

Ja, wo kämen wir da wohl hin.

Da sitzt er nun wieder und säzzt. Kohle hat er keine eingesackt. Statt dessen haben sie ihn in einen Müllsack gesteckt und entfernt. Armes Kunstwerk.

Die Redaktion jedenfalls war gestern sehr vergnügt. Das ist ein gutes Zeichen. Der LaborBefund Nr. 5 brodelt in den Reagenzgläsern und qualmt im Erlenmeyerkolben…